Cà Phê Trứng (vietnamesischer Eierkaffee) – Vietnams cremiges Kaffee-Geheimnis

Cà Phê Trứng (vietnamesischer Eierkaffee) – Vietnams cremiges Kaffee-Geheimnis

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Wer einmal in den Gassen von Hanoi unterwegs war, weiß: Kaffee ist hier kein Getränk – es ist Kultur. Und kaum etwas steht so sehr für die nordvietnamesische Kaffeetradition wie Cà Phê Trứng, der legendäre vietnamesische Eierkaffee.

Klingt erstmal wild? Kaffee mit Ei?
Ja. Und genau das macht ihn genial.

Die Geschichte hinter dem Eierkaffee

Cà Phê Trứng entstand in den 1940er-Jahren in Hanoi – aus purer Not. Milch war knapp, also wurde improvisiert. Ein Barkeeper im berühmten Café Giảng ersetzte die fehlende Milch durch aufgeschlagenes Eigelb mit Zucker.

Das Ergebnis? Eine dicke, samtige Creme auf starkem vietnamesischem Kaffee.
Heute ist das Café Giảng eine Institution – und Eierkaffee ein kulinarisches Wahrzeichen des Nordens.

Traditionell, erfinderisch, pragmatisch. Genau so funktioniert vietnamesische Küche seit Generationen.

Meine persönliche Begegnung mit Cà Phê Trứng

Ich habe meinen ersten Eierkaffee nicht in einem stylischen Café getrunken – sondern in einem versteckten Hinterhof in Hanoi.

Der Eingang? Durch ein kleines Bekleidungsgeschäft.
Dann durch ein Wohnhaus.
Und am Ende eine steile Leiter hoch.

Oben saßen nur Freunde, Familie und ein paar Stammgäste. Kein Schild. Kein Instagram. Nur kleine Plastikstühle, Stimmengewirr und dieser intensive Kaffeeduft.

Ganz ehrlich: Ich hatte Respekt.
Ei. Hitze. Vietnam. Hygiene. Mein Magen war auf Alarmbereitschaft – wer schon mal länger dort unterwegs war, weiß, wie schnell man sich den Bauch verdirbt.

Aber dann kam der erste Schluck.

Und ich war überrascht.

  • unglaublich cremig
  • schwerer als ein Milchkaffee
  • fast wie geschmolzenes Dessert
  • intensiv und gleichzeitig rund

Es war kein Getränk zum Runterkippen.
Es war eine kleine Mutprobe – und sie hat sich gelohnt.

Manchmal braucht es eben genau diesen einen Schritt aus der Komfortzone.

Was ist Cà Phê Trứng eigentlich?

Kurz gesagt:

  • kräftiger vietnamesischer Robusta-Kaffee
  • heiß gebrüht im Phin-Filter
  • getoppt mit einer luftigen Eigelb-Zucker-Creme

Die Konsistenz erinnert an flüssiges Tiramisu.
Der Geschmack? Intensiv, süß, cremig – mit einer herben Kaffeenote, die alles ausbalanciert.

Wichtig: Man schmeckt kein Rührei. Wer das befürchtet, wird überrascht.

Warum schmeckt Eierkaffee so besonders?

Vietnamesischer Kaffee – meist Robusta – ist kräftiger und bitterer als viele westliche Röstungen. Die süße Eiercreme wirkt wie ein Gegengewicht.

Das Zusammenspiel aus:

  • Bitterkeit
  • Süße
  • Fett
  • Hitze

macht das Ganze rund und fast dessertartig.

Man trinkt ihn nicht hektisch „to go“.
Man genießt ihn langsam. So wurde es immer gemacht.

Original Rezept für Cà Phê Trứng

Zutaten (für 1 Glas)

  • 1 Tasse sehr starker vietnamesischer Kaffee
  • 1 frisches Eigelb
  • 2 TL Zucker
  • 1–2 TL gesüßte Kondensmilch
  • Optional: Vanilleextrakt

Zubereitung

  1. Kaffee brühen: Am besten mit dem vietnamesischen Phin-Filter. Der Kaffee sollte stark und heiß sein.
  2. Eigelb aufschlagen: Eigelb, Zucker und Kondensmilch mehrere Minuten cremig schlagen, bis eine dicke, hellgelbe Masse entsteht.
  3. Schichten: Kaffee in ein Glas geben, Eiercreme vorsichtig daraufsetzen.
  4. Warm servieren: Traditionell wird das Glas in eine Schüssel mit heißem Wasser gestellt, damit der Kaffee nicht auskühlt.

Pro-Tipp: Nicht umrühren. Erst etwas Creme löffeln, dann Kaffee – oder langsam vermengen.

Ist rohes Eigelb nicht riskant?

Wichtig ist:

  • Sehr frische Eier verwenden
  • Kühl lagern
  • Direkt verarbeiten
  • Optional pasteurisierte Eier nutzen

Ein bisschen Respekt vor rohem Ei ist gesund. Mut ja – Leichtsinn nein.

Fazit

Eierkaffee ist kein Trendgetränk aus einem hippen Szeneviertel. Er ist ein Stück vietnamesische Geschichte – geboren in schwierigen Zeiten, perfektioniert über Generationen.

Und manchmal wartet genau dieser Geschmack hinter einem Bekleidungsgeschäft, über einer Leiter, in einem Raum voller Stammgäste.

Man braucht nur ein bisschen Mut.

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